Wenn wir nach Paris blicken, sehen wir, wie aktuell Tucholsky ist. Sein Satirezitat ist in aller Munde:
Was darf die Satire?
Alles.
Kurt Tucholsky war gleichzeitig Chronist seiner Zeit und Leidender an derselben. Einer Zeit zwischen den Weltkriegen, die in Deutschland geprägt war von Militarismus, Obrigkeitsdenken und gnadenloser Ausbeutung der Unterschicht. Wer mehr über unsere Gegenwart wissen will, muss den vergangenen Tucholsky lesen. Sein Werk hat leider nichts, absolut nichts, von seiner Relevanz eingebüßt. Wer die Texte liest, wird sie sofort verstehen, sie bedürfen keiner geschichtlichen oder sozialen Erläuterung.
Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 in Berlin-Moabit geboren. Sein Vater war ein jüdischer Bankkaufmann und so erfolgreich, dass er 1905 nach seinem Tod der Familie, die aus Kurt, seinen beiden jüngeren Geschwister Fritz und Ellen sowie seiner Mutter Doris bestand, ein beträchtliches Vermögen hinterließ. Tucholsky sieht sich wegen seiner Artikel und ihres oft scharfen Tons immer wieder Anfeindungen und Prozessen – etwa 1928 wegen angeblicher Gotteslästerung in seinem Gedicht »Gesang der englischen Chorknaben« – ausgesetzt. Kurt Tucholsky zählte in der Zeit zwischen den Weltkriegen zu den wichtigsten und hellsichtigsten deutschen Publizisten. Er verfasste nicht nur politische Artikel, Reportagen, Rezensionen, Satiren und Glossen, sondern auch Gedichte sowie Erzählungen und sogar Texte für Lieder und das Kabarett.
In scharfen Tönen und teilweise satirisch überspitzt geißelte Tucholsky – etwa in der Artikelserie »Militaria« – in den nächsten Jahren den deutschen Militarismus. Zudem griff er die bedenkliche Anzahl von Morden an linken und liberalen Politikern – allein am 15. Januar 1919 wurden sowohl Rosa Luxemburg als auch Karl Liebknecht getötet – an und kritisierte auch immer wieder diverse Politiker, die die Gefahr von rechts nicht sehen wollten. Er selbst erkannte das drohende Verhängnis früh und rief bereits 1922 in seinem Gedicht »Rathenau«, dass er kurz nach der Ermordung des deutschen Außenministers verfasste, zum Widerstand gegen das Gesindel auf, das an »Häuser Hakenkreuze schmiert«.
Tucholsky – 300 Werke auf 1200 Seiten – mit einem Aufsatz zu Leben und Werk.


fkrauch
Fanatismus jeglicher Art führt zum Verbrechen an Mensch und Natur. Toleranz und Bescheidenheit für unsere eigenen Überzeugungen sind die richtige Antwort.