Altlasten

1,99 
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Rainer und Monika sind nicht mehr jung, nicht heil und nicht bereit für einfache Liebe. Zwischen Ex-Familie, Asche, peinlicher Nähe und spätem Mut entsteht eine Beziehung, die vorsichtig mehr wagt.


Seiten: 170
ISBN 978-3-962819-59-0 (Epub)

Beschreibung

Rainer ist fünfundfünfzig, seit Jahren allein und beruflich gerade eher ein Fall für Absagen als für Aufbruch. Monika ist zweiundfünfzig, geschieden, erschöpft von ihrer Familie und geübt darin, nicht mehr auf Rettung zu warten.

Ihr erstes Treffen führt an den Rhein. Mit dabei: ein Marmeladenglas voller Asche, ein toter Schwiegervater, ein lebender Exmann namens Klaus und die Erkenntnis, dass Nähe im mittleren Alter selten elegant beginnt.

Zwischen Gewürzgurken, Bewerbungsvideos, alten Katzenkratzern, Familienfeiern in Oberkassel und einem sehr öffentlichen Sturz in den Pool entsteht etwas, das keine große Liebesgeschichte sein will. Eher eine vorsichtige Zumutung. Zwei beschädigte Menschen versuchen, einander nicht an der falschen Stelle zu helfen.

Altlasten ist eine lakonische, komische und melancholische Novelle über späte Nähe, alte Verpflichtungen und die Frage, wie viel gemeinsames Leben möglich ist, wenn man längst gelernt hat, allein zu funktionieren.

Rainer saß am Fenster, obwohl Fenster übertrieben war. Es war eine Glasscheibe mit Blick auf einen Parkplatz, drei Einkaufswagen und einen Mann, der in seinem Auto saß und Joghurt löffelte. Man nahm, was man bekam. Mit fünfundfünfzig nahm man sowieso, was man bekam, wenn man ehrlich war.

Sechs Jahre Single. Das klang auf Datingprofilen nach Selbstbestimmung. In Wirklichkeit klang es morgens im Bad wie eine elektrische Zahnbürste, die zu laut war, weil sonst nichts passierte. Sechs Jahre, in denen er Frauen getroffen hatte, die alle irgendwie bei sich angekommen waren. Meistens bedeutete das: Yogakurs, neuer Haarschnitt, Exmann verflucht, drei Kissen in Senfgelb gekauft. Sie waren alle frei. Endlich frei. Gott, wie frei sie waren.

Rainer wollte nicht frei sein.

Das war sein Problem. Er wollte nicht unabhängig sein, nicht ganz bei sich, nicht selbstbestimmt in einer Wohnung sitzen, in der niemand fragte, warum schon wieder keine Milch da war. Bei sich war er nun seit sechs Jahren, und die Gesellschaft war mittelmäßig. Er wollte eingefangen werden. Nicht gewaltsam, nicht dramatisch. Er wollte, dass jemand sagte: Kauf Milch. Nicht diese. Die andere. Er wollte einen zweiten Kaffeebecher in der Spüle, Haare im Abfluss, eine andere Jacke an seinem Haken. Er wollte wieder das kleine Gefängnis, für das Leute Hochzeitsfotos in Rahmen stellten und später behaupteten, sie hätten es immer geahnt.

Sein Date hieß Monika.

Auf dem Profilbild hatte sie gelacht, leicht schräg, mit Strand im Hintergrund. Im Café erschien sie mit einem Mantel in der Farbe nasser Karton und einem Schal, der nach Parfüm roch, das seine Arbeit ernst nahm. Sie war vielleicht dreiundfünfzig, vielleicht neunundfünfzig, vielleicht hatte sie beschlossen, dass Zeit nur ein patriarchales Konzept war. Ihr Haar war zu rot, ihre Lippen zu konturiert, ihre Handtasche zu groß. Frauen mit großen Handtaschen hatten immer Wasser dabei, Medikamente oder eine Agenda. Manchmal alles.

„Rainer?“

„Monika.“

Sie setzte sich, als nähme sie an einer Anhörung teil.

ISBN 978-3-962819-59-0 (Epub)


Verlag: Null Papier Verlag
Erstveröffentlichung:
Ausgabe: 1. Auflage
Format: E-Book

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Format

Epub

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