Beschreibung
Die Ambersons sind die angesehenste Familie der Stadt. Ihr Vermögen scheint unerschöpflich, ihre gesellschaftliche Stellung unantastbar. Besonders George, der verwöhnte Enkel des alten Majors, kann sich eine Welt ohne diese Gewissheiten nicht vorstellen.
Doch die Stadt wächst. Fabriken entstehen, Automobile verdrängen die Pferdewagen, und Menschen, die George gering schätzt, gewinnen an Einfluss. Als Eugene Morgan und seine Tochter Lucy in das Leben der Ambersons treten, geraten auch die Beziehungen innerhalb der Familie in Bewegung. George hält unbeirrt an seinem Stolz fest – und erkennt zu spät, was er damit aufs Spiel setzt.
Booth Tarkington erzählt mit Witz, Schärfe und Mitgefühl vom Ende einer glänzenden Ära und von einer Familie, die den Wandel erst bemerkt, als er sie längst eingeholt hat.
ISBN 978-3-962819-65-1 (Epub)Major Amberson hatte 1873 »ein Vermögen gemacht«, während andere ihre Vermögen verloren, und damit begann der Glanz der Ambersons. Glanz ist, wie die Größe eines Vermögens, immer eine Frage des Vergleichs; selbst Lorenzo der Prächtige dürfte das inzwischen erkannt haben, falls er 1916 als Geist in New York umgegangen sein sollte. Zu ihrer Zeit und an ihrem Ort jedenfalls waren die Ambersons glanzvoll. Ihre Pracht überdauerte all die Jahre, in denen ihre Stadt im Mittleren Westen sich ausbreitete und verdunkelte, bis sie zur Großstadt wurde. Ihren Höhepunkt erreichte sie jedoch in jener Zeit, als jede wohlhabende Familie mit Kindern einen Neufundländer hielt.
Damals kannten in dieser Stadt alle Frauen, die Seide oder Samt trugen, sämtliche anderen Frauen, die Seide oder Samt trugen. Wurde ein neuer Seehundpelz angeschafft, brachte man sogar Kranke ans Fenster, damit sie ihn vorüberziehen sahen. An Winternachmittagen waren die Traber unterwegs und lieferten sich mit leichten Schlitten Rennen auf der National Avenue und der Tennessee Street. Jeder erkannte die Pferde wie die Fahrer; und ebenso gut kannte man sie an Sommerabenden, wenn schmale Einspänner vorbeisausten und ihre Wettrennen aus dem Winter wieder aufnahmen. Überhaupt kannte jeder Pferd und Wagen jeder anderen Familie, erkannte ihr Gespann schon eine halbe Meile die Straße hinunter an der Silhouette und wusste damit, wer zum Markt oder zu einem Empfang fuhr und wer zum Mittagessen oder Abendbrot aus Büro oder Geschäft nach Hause kam.
In den frühen Jahren dieser Epoche galt die Güte des Stoffes als wichtiger für ein elegantes Äußeres als der Schnitt. Ein Seidenkleid brauchte auch nach ein oder zwei Jahren nicht umgearbeitet zu werden; es blieb vornehm, einfach weil es Seide war. Alte Männer und Gouverneure trugen feines Wolltuch; zum »großen Anzug« gehörten Hosen aus besonders feinem Tuch. Und Männer jeden Alters waren zu sehen, für die ein Hut ausschließlich jenes steife, hohe Ding aus Seide bedeutete, das Spötter ein »Ofenrohr« nannten. In Stadt und Land setzten sie keinen anderen Hut auf; ganz ohne Befangenheit gingen sie sogar mit solchen Hüten rudern.









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