Autoreninterview Samuel Wallander

Autoreninterview Samuel Wallander

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Name:

Samuel Wallander

Autorenvita

Jahrgang 197?

Geburtsort: Malmö, Schweden

Staatsangehörigkeit: Psst!

Wohnort: Psst!

Ausbildung: Kinderarzt (nicht mehr praktizierend), Broker (nicht mehr praktizierend), zur Zeit: arbeitslos

Samuel Wallander ist gebürtiger Schwede, aber eigentlich ein Kosmopolit. Er lebte schon in den verschiedensten Ländern auf fast allen Kontinenten, was man auch seinen unterhaltsamen Texten anmerken kann. Zurzeit lebt und arbeitet er in einem kleinen Dorf bei Hamburg – zumindest vermutet das sein Verleger.

Was machen Sie beruflich oder können Sie bereits vom Schreiben leben?

Seit ca. 10 Jahren gehe ich keine wirklich geregelten Arbeit im klassischen Sinne mehr nach. Es gibt so viele Bücher zu lesen, so viele Filme zu sehen. Und wann soll ich schreiben? Etwas heimlich in einem Büro, mit dem Finger auf der Boss-Taste? Och, nö. Ich bin genügsam, ich brauche nicht viel.

Hatten Sie während des Schreibens Blockaden? Woher kommt die Motivation?

Irgendwie stecken diese Geschichten in mir drin. Schon während meiner Ausbildung zum Arzt, die ich natürlich nur wegen meiner damaligen Verlobten vollendete, wusste ich, dass ich als Kinderarzt niemals die Rente erreichen würde. Am Tag als ich meine Praxis eröffnete (bei Hamburg) verließ mich meine Verlobte für einen irischen Schafhirten, der bei uns Couchsurfing machte. Meine Praxis lief also nicht länger als ein Jahr. Danach wurde ich Broker (Schnappsidee eines alten Jungendfreundes) und schaffte es mit Trotz und unkonventionellen Investments, etwas Geld auf die Seite zu legen – bis Lehman Brothers hopsging. Dann musste ich wieder bei (fast) null anfangen. Also wurde ich Texter für verschiedene Redaktionen. Ich schrieb für alles und jeden. Aber meine erfundenen Sachen lagen mir natürlich immer mehr am Herzen und füllten so langsam meine Schubladen. Man kann also sagen, dass das Klopfen in den Schubladen mich schlussendlich zum Schreiben gedrängt hat.

Woher kommen ihre Ideen?

Meine Geschichten sind meist getrieben von den Personen, die Handlung ist zweitrangig und ergibt sich dann automatisch. Ich reiße zum Beispiel aus einem Magazin zwei oder drei Gesichter aus, werfe sie in die Luft und schaue, welche „oben“ landen. Dann denke ich mir zu den Gesichtern die Personen aus; das geht wie von selbst. Selbstredend kann der kantige Typ nur ein Zuhälter sein und die kleine Asiatin seine Ehefrau, die von all dem nichts weiß. Und schon ist der Grundstein zu einer Verwechslungsgeschichte gelegt. Man stelle sich vor, die Frau bewirbt sich unwissentlich bei ihrem eigenen Mann als Teilzeithure, weil sie ihm ein teures Cabrio zum Geburtstag schenken will. Soll der Mann zugeben, dass er sie erkannt hat? Wie weit treibt ihn seine Neugier? Wie weit wird seine Frau gehen? Und wäre der erste Kunde? – Man sieht, die Geschichten liegen auf der Straße.

Wollten Sie schon immer schreiben und Geschichten erzählen?

Schwer zu sagen, einerseits stecken viele Geschichten und deren Personen in mir drin, und das oftmals schon lange schlummernd. Allerdings war ich früher immer sehr schreibfaul. Ich habe zwar immer schon viel gelesen, aber meine Gedanken sind schlicht zu schnell für meine Finger – egal, ob mit dem Stift oder auf der Maschine.

Wo, wann und wie schreiben Sie am liebsten?

Das ist leicht zu beantworten. An meinem kleinen Schreibtisch, immer gleich und sofort nach dem Frühstück. Immer mindestens eine Stunde oder 1000 Wörter. Und immer mit dem Blick auf die Wand und immer offline. Ich bin leider leicht abzulenken („Hallo, YouTube, hörst du mich!?“). Ich benutze auch eine spezielle Software (Focuswriter), um mich voll und ganz auf das Schreiben konzentrieren zu können. Erstmal wild drauflostippen und die Gedanken schnell zu Papier bringen. Das Korrigieren erfolgt dann erst später und immer mit mindestens einem Monat Abstand. Nur dann erlischt die Betriebsblindheit, die dazu führt, dass man Fehler garantiert überliest.

Warum schreiben Sie?

Ich wollte mich einmal selbst beweisen. Ich habe schon soviel ausprobiert und gemacht. Ich benötige einfach die Abwechslung. Darum auch Kurzgeschichten; ich weiß nicht, ob ich die Geduld für einen ganze Roman aufbringe. Aber wenn die Geschichten gefallen … wer weiß, vielleicht gibt es bald schon mehr zu lesen! Ideen hätte ich schon.

Was bleibt noch für die Zukunft?

Ich arbeite gerade parallel an mehreren Stoffen bzw. Geschichten. U.a. einer Sammlung von dystopischen, aber auch komischen Kurzgeschichten. Aber erzählen Sie meinem Verleger noch nichts davon. Das würde den nur auf die Spur bringen, dann habe ich gar keine Ruhe mehr. Und natürlich will ich auch meinen eigenen Kommissar schaffen, aber der müsste dann schon sehr speziell sein.

Haben Sie Haustiere?

Ja, zwei Katzen. Beide schon über 10 Jahre. Und immer noch mögen Sie sich nicht. Die Katzendame schaut den Kater manchmal an, als würde sie ihn am liebsten die Treppe runterschupsen. Aber zum Glück fliest noch kein Blut, maximal gibt es Fauchen und ein bisschen Boxen zwischen den Beiden.

Wie können ihre Fans Sie erreichen?

Ups, jetzt haben Sie mich kalt erwischt. Facebook&Co mag ich so gar nicht, da es einfach nur ablenkt. Ich möchte mich lieber auf meine Textarbeit konzentrieren und nicht immer nur diese Wasserstandsmeldungen meine persönlichen Befindens abgeben. Wer immer nur für den Moment lebt, kann nichts langfristig wirkendes schaffen. Am besten, man versucht es über meinen Verlag (Null Papier). Und wenn ich meinen ersten eigenen Wikipedia-Eintrag bekomme, schaffe ich mir eine Homepage an – versprochen!

Anmerkungen des Fragestellers

Das Interview wurde per Skype geführt. Wo der Autor zu Zeit weilt, kann der Verleger nicht wirklich sagen. Aber aus dem Bildhintergrund war ein Stück blaues Meer zu erkennen. Oder war es eine Fototapete?

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